Jetzt bebt die Halle erst so richtig

Archiv-Artikel vom Samstag, den 28.03.2015

Nach rund 20 Monaten Kernsanierung er-strahlt die Halle 02 in Heidelberg in neuem Glanz – am Freitag eröffneten „Käptn Peng und die Tentakel von Delphi“ Konzerthalle und Club.

Sie ist inzwischen schon eine Institution im Heidelberger Nachtleben: Die Halle 02, seit 2002 in den Lagerhallen des ehemaligen Güterbahnhofs untergebracht. Ursprünglich als Kunstprojekt des legendären "Atelier Kontrast" nur als temporäre Partyfläche gedacht, ist sie heute Veranstaltungsort und Disko für unterschiedlichste Musikrichtungen. Nach über eineinhalb Jahren Kernsanierung bei laufendem Betrieb konnten die Heidelberger Nachtschwärmer am Freitag zum ersten Mal die "neue" Halle erkunden: "Eigentlich stehen hier nur noch die Grundmauern, ansonsten ist alles ausgetauscht - Soundanlagen, Lichttechnik, Lüftung, Schallschutz", so Geschäftsführer Felix Grädler mit sichtbarem Stolz. "Vieles davon sehen unsere Besucher gar nicht, aber sie werden es letztlich merken: Unsere Anlagen bieten jetzt einen in der Region einzigartigen Sound und durch den Ausbau bieten sich ganz neue Möglichkeiten für Künstler, in Heidelberg aufzutreten."

Einen Vorgeschmack auf das zukünftige Programm boten die Macher der Halle 02 bereits am offiziellen Eröffnungsabend: Mit "Käptn Peng und die Tentakel von Delphi" brachten sie intellektuellen Alternative-Hip-Hop an den Neckar. Die Gruppe wurde 2012 von den Brüdern Robert und Johannes Gwisdek gegründet. Ihre musikalisch-schauspielerischen Grundlagen haben die beiden wohl ihren Schauspieleltern Corinna Harfouch ("Tatort", "Der Untergang") und Michael Gwisdek ("Tatort", "Good Bye, Lenin!") zu verdanken. Und so haben diese Hip-Hopper auch wenig mit dem Klischee vom stupiden Deutschrapper zu tun - "Käptn Peng" stehen für intelligente Texte, die - völlig untypisch für diese Musikrichtung - live von Musikinstrumenten begleitet werden. Zielgruppe sind denn auch eher Studenten als Ghetto-Kids - was erklärt, warum das Konzert in Heidelberg mit rund 1200 Besuchern schnell ausverkauft war.

Nachdem zunächst der Landauer Rapper Luis Baltes die Menge mit ironisch-kurpfälzischem Gangster-Hip-Hop ange-heizt hatte, zündeten die Jungs um "Käptn Peng" ihr Bühnenfeuerwerk: Grelle Lichter, satter Klang, die Musiker mit Masken und Hüten verkleidet, Robert Gwisdek wild über die Bühne hüpfend. Bisweilen hatte das mit Hip-Hop recht wenig zu tun, sondern erinnerte eher an Krawall-und-Remmidemmi im Stile von Deichkind. Die Texte zwar gewohnt mit Tiefgang, doch durch die Bühnenshow und die Fixierung auf laute Effekte etwas erschlagen. Aber das Heidelberger Publikum hatte sich offensichtlich auf einen lauten und wilden Abend eingestellt: Die Premierengäste jubelten und hüpften be-geistert durch die Güterhalle. Und in den ruhigeren Momenten des Abends, vor allem zwischen den eigentlichen Stücken, überzeugte Robert Gwisdek dann mit purer Wortakrobatik und Freestyle-Einlagen, die eher in Richtung Poesie gingen, als an klassisches Rapper-Gebaren zu erinnern.

Der Abend sollte aber nicht nur den Saal der Halle 02 offiziell eröffnen - wobei dieser Teil des umgebauten Gebäudes bereits seit dem Sommer genutzt wurde -, sondern auch den neuen Club. Auf rund 200 Quadratmetern können hier jetzt rund 400 Feierwütige die Nacht zelebrieren. Insbesondere elektronische Musik soll es geben - am Eröffnungsabend kamen aber erstmal die "Betty Ford Boys" mit Beat, Soul und Hip-Hop und verschafften den Konzertgästen von "Käptn Peng" einen fließenden Übergang. Erst nach Mitter-nacht legten dann mit Super Flu elektronische DJs wiederum im Saal auf - die flexible Raumaufteilung und die neuen Möglichkeiten, die Halle 02 gleichzeitig mit mehreren Bühnen zu bespielen, wurden schon am Eröffnungsabend genutzt.

Geschäftsführer Felix Grädler zeigte sich mit dem ersten Abend zufrieden: "Die Abläufe müssen sich noch ein biss-chen einspielen, aber es läuft!" Wenn dann bis zum Sommer noch das neue Res-taurant und der Außenbereich fertig ge-stellt sind, haben die Heidelberger endgültig ihre neue, alte Halle zurück.

Samstag, 28.03.2015